Ursprünglich sollte das hier ein wütender Verriss über die ignorante Inkompetenz der Musikindustrie werden - wie man wohl angesichts der aktuell angepassten Rechtslage seine Musik von DRM-geschützten CDs auf seinen MP3-Player (sprich: Handy) bringen könnte, ohne sich gleich für eine Bazillion Jahre hinter Gitter zu katapultieren.
Nun aber ist gar Seltsames in den letzten Wochen passiert: Die Großkonzerne alter Prägung, die die Plattenindustrie bisher dominiert haben, schwenken angesichts eingebrochener CD-Verkäufe, der Dominanz von Apples iTunes-Store und renitent fliehender Mega-Stars wie Madonna dazu über, DRM-befreite Musikdateien anzubieten.
Klar. Zu spät und wohl auch noch zu wenig, zu zaghaft, das alles.
Aber Sony, EMI & Warner und Co. zeigen, dass sie gehört - und zumindest ein klein wenig verstanden haben.. Weiter so!
Ich freue mich auf einen besseren Wettbewerb um die Ohren der Kundschaft; ich hoffe auf mehr Vielfalt, darauf, dass sich die Großen gesundschrumpfen und (wieder?) den Kunden im Blick haben.
Denkt an die Möglichkeiten, liebe Konzerne: Direktvertrieb, keine nennenswerten Vervielfältigungskosten! Geld, das frei wird, um es in Künstler und in für den Kunden günstigere Alben zu stecken - und für Euch, ja, für Euch wird davon auch noch was übrig bleiben.. wenn ihr denn bereit seid, Euch zu erneuern, neue Geschäftsmodelle zu suchen und die sich ändernden Gewohnheiten der Kundschaft nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen. Ihr, die Konzerne, Ihr werdet sicherlich an Marktmacht verlieren - aber, wenn Ihr es wollt, dafür an nachhaltiger Glaubwürdigkeit gewinnen.. um am Ende dann doch noch zu überleben.
Überleben?
Ja. Den anders als durch die Angst vor dem Zugrundegehen kann man sich diesen epischen, verbissenen und überaus irrationalen Kampf gegen jeden einzelnen Kunden nicht erklären. Was wurde nicht alles getan: Lobbyisten aufgefahren, Politiker weltweit "überzeugt", Urheberrechte erweitert, Vervielfältigungsrechte beschnitten, Überwachungssysteme eingerichtet, Kunden bespitzelt, CDs unbrauchbar gemacht.
Aber: Vielleicht stellt sich letzten Endes heraus, dass die Konzerne doch nicht ganz so inkompetent sind, wie sie sich in den letzten Jahren dargestellt haben.
