In der Vergangenheit haben wir hier vereinzelt über soziale Netzwerke geschrieben (vgl. http://www.klumpp.net/blog/archives/47-Der-grosse-Vergleich-openBC-vs.-aufeinander.de.html), danach aber das Thema weitgehend ignoriert.
Nun ist gestern ja Facebook an die Börse gegangen. Ausgerechnet Facebook, immerhin weltweit das größte soziale Netzwerk. Grund genug, sich das Ganze mal ein wenig näher anzusehen und ein wenig ins Verhältnis zu setzen.
Wäre Facebook ein Staat, stünde es mit seinen über 900 Millionen Nutzern an dritter Stelle: Nur China (1,3 Mrd) und Indien (1,2 Mrd) hätten jeweils mehr Einwohner. Europäische Union (500 Mio.) und USA (310 Mio.) kämen selbst zusammengerechnet klar hinter //Facebookland//. Scherzkekse behaupten angesichts solcher Größenverhältnisse, Firmenchef Zuckerberg hätte inzwischen wohl mehr Follower als der Papst.
2011 machte das Unternehmen etwa 4,2 Mrd. US-Dollar Umsatz. Wenn man das nun mit dem Bruttoinlandsprodukt eines Staates vergleicht, hätte hier allerdings zum Beispiel das 36.000 Einwohner starke Liechtenstein klar die Nase vorn - mit über 5 Mrd. US-Dollar.
Bezogen auf den einzelnen Nutzer wären 4,2 Mrd. USD etwa 4,5 Dollar. Jeder angemeldete Nutzer, ob aktiv oder nicht, steht also für 4,5 Dollar Jahresumsatz (zieht man das Wachstum übers Jahr in Betracht, sind es vielleicht ein paar Cent mehr oder weniger).
Nun zum 18. Mai 2012, dem ersten Handelstag der Facebook-Aktie. Sie ging mit dem Ausgabepreis von 38 Dollar in den Handel. Das war das obere Ende des möglichen Preises, der beim sogenannten Bookbuilding vorab ermittelt wurde. Damit wurde Facebook von den Investoren mit insgesamt 104 Mrd. US-Dollar bewertet. Runtergerechnet auf den einzelnen Nutzer sind das etwa 110, 115 USD.
Also: Pro User ist Facebook ordentliche 110 USD wert, und das bei einem derzeitigen Pro-Nutzer-Umsatz von vier oder fünf Dollar. Ob Facebook den Umsatz oder die Anzahl der aktiven Nutzer wesentlich steigern kann, ist nicht raus: Soziale Netzwerke haben sowas wie eine natürliche 'Blütezeit', bevor sie dann in die zweite Reihe zurücktreten. Benutzer bewegen sich dorthin, wo ihre Freunde sind, und schnell kann was ganz Anderes cool und hip sein. Friendster, Orkut, MySpace und Co. können davon ein Lied singen.
Es fehlt zudem noch ein schlüssiges Konzept, wie Facebook wirklich dauerhaft Geld umsetzen möchte, ohne seine wertvollen Nutzer zu verschrecken. Mit Werbung und den wenigen Sonderdiensten alleine könnte es recht knapp werden. So hat Werbe-Schwergewicht General Motors (GM) erst vor wenigen Tagen seinen Rückzug aus der Facebookwerbung angekündigt - denn sie lohne sich nicht. Auch wenn sich GM nur aus der unmittelbaren Werbeschaltung zurückzieht und weiterhin auf Facebook mit viel Geld aktiv bleibt, ist das ein deutliches Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass der Nutzer eben nicht bereit ist, in seinem privaten Bereich - der ja durch ein Soziales Netz abgebildet werden soll - ohne Weiteres diese Werbeform zu aktzeptieren.
Leute, die wertorientiert und nicht wachstumsorientiert investieren, kräusen angesichts dieser Verhältnisse jetzt die Stirn. Für sie steht der Aktienpreis in keinem guten Verhältnis zum bisherigen Ertrag und den Risiken um den absehbaren Ertrag.
Und tatsächlich.. es könnte was dran sein an diesem Zweifel: Am ersten Handelstag mussten die Konsortialbanken mit Stützungskäufen dafür sorgen, dass die Aktie nicht unter den Ausgabepreis fällt (vgl. http://www.bloomberg.com/news/2012-05-18/facebook-underwriters-said-to-support-stock-at-near-38-a-share.html und http://ca.reuters.com/article/businessNews/idCABRE84I01620120519). Am Tagesende waren dann von den 421 Mio. ausgegebenen Aktien alleine an der Heimatbörse NASDAQ 580 Mio Stück gehandelt: Einige Anteilsscheine haben also an diesem Tag mehrfach den Besitzer gewechselt. Das hat ein kleines G'schmäckle von Hektik, Nervosität oder einfach nur kurzfristigen Gewinnmitnahmen - weil man denkt, es könne sich nicht lohnen, die Aktien länger zu halten.
Spannend? Ja. Mal sehen, wie es mit Aktie und Unternehmen weitergeht. Facebook muss sich jedenfalls ordentlich ins Zeug legen, um die derzeitige Bewertung mindestens zu rechtfertigen, wenn nicht gar auszubauen.
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